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Das doppelte Fußball-Lottchen
(erschienen in der Main-Echo Sonderbeilage "Anpfiff" 2005)
Eines merkt man sofort: Die beiden sind total fußballverrückt. Müssen sie aber auch sein, schließlich schnüren die Zwillinge Bernd und Dieter Dissler vom TSV Soden seit 18 Jahren für den Sulzbacher Ortsteilverein die Fußballschuhe. So verzweifelten über lange Jahre schon unzählige gegnerische Abwehrspieler an Mittelstürmer Bernd und fanden unzählige Angreifer keinen Weg an Libero Dieter vorbei.
Angefangen hat die lange Fußball-Karriere der verheirateten Familienväter bei den D-Junioren der Kickers Aschaffenburg, wo ihr fuß- und handballbegeisterter Vater, die in Damm aufgewachsenen Zwillinge zum Spiel mit dem runden Leder führte. Von den Kickers bis nach Soden war es ein langer Weg, der unter anderem über Damm, den Schönbusch und Mainaschaff führte - und mehr als einmal von der Liebe gesteuert wurde. Amor führte sie jedenfalls von Mainaschaff nach Soden, und das in einer Nacht- und Nebelaktion. " Es war der 19. November 1987", erinnert sich Bernd Dissler noch genau. Dem TSV Soden stand in der B-Klasse das Wasser bis zum Hals, die Verstärkung aus Mainaschaff kam genau zur richtigen Zeit. Sodens Pressesprecher und zweiter Vorstand Ewald Becker: "Wir standen kurz vor der Winterpause auf dem zweiten Tabellenplatz und hatten nur sechs Punkte auf der Habenseite stehen. Die beiden sind damals eingeschlagen wie eine Bombe. Mit Bernd und Dieter schafften wir noch ganz klar den Klassenerhalt, Dieter wurde sogar mit 13 Treffern in der Rückrunde noch mannschaftsinterner Torschützenkönig."

Bernd (links) und Dieter Dissler
Nach einigen Spielzeiten in der B-Klasse erlebte der TSV Soden um Bernd und Dieter Dissler in der Saison 1992/93, unter Trainer Winfried Schlüter, eine der erfolgreichsten Runden. Bereits in der Winterpause stand die Elf auf dem ersten Tabellenplatz und hatte einen Vorsprung von fünf Punkten auf den Tabellenzweiten TSV Keilberg. Doch aufgrund einer dünnen Personaldecke und eigenem Unvermögen scheiterte man am ersehnten Ziel Aufstieg. Ein Höhepunkt in der Karriere der Dissler-Brüder war der Landkreispokalsieg 1996. Unter der Leitung von Coach Michael Goldhammer sicherte sich Soden, nach Siegen über Leidersbach, Mömlingen und Niedernberg, in einem an Dramatik kaum zu überbietenden Endspiel gegen den SV Großwallstadt den Sieg. "Wir mussten damals 20 Elfmeter schießen, bis der Sieger ermittelt war. Bei den letzten Schützen wurde es schon langsam dunkel", erinnert sich Bernd Dissler.
Nach weiteren Jahren in der B-Klasse, in denen der kleine Verein durch Kampf, Heimstärke und Wille die nötigen Punkte ergatterte, folgte im Jahr 2001 der Abstieg in die unterste Fußballklasse. "Die Mannschaft war irgendwann einfach zu alt, es kamen auch kaum Jugendspieler von unten nach", erläutert Dieter Dissler die Gründe für den Abstieg. Unter Spielertrainer Harald Reisacher scheiterte die Mannschaft seitdem mehrmals knapp am Wiederaufstieg. Derzeit befindet sich die Mannschaft in einem Umbruch, Bernd und Dieter Dissler gelten, trotz ihrer 37 Lebensjahre, weiterhin als wichtige Leistungsträger.
Bernd war, seit er beim TSV Soden spielt, Jahr für Jahr vereinsinterner Torschützenkönig, meist rangierte sein Bruder Dieter direkt hinter ihm. Ihr bestes Ergebnis verbuchten sie in der Saison 2003/2004, als sie gemeinsam 54 Treffer erzielten (Bernd 34/Dieter 21). Als Stärke bezeichnen die Zwillinge ihren Willen, immer gewinnen zu wollen, als größte Schwäche sehen sie ihre Disziplinlosigkeit an. Ewald Becker: "Beide sind halt emotional immer im Spielgeschehen dabei, spielen aber niemals unfair. Lediglich ihr Mundwerk haben sie manchmal nicht unter Kontrolle."
Dass die Dissler-Tore auch in Zukunft nicht ausgehen, dafür haben die beiden schon mit ihrem Nachwuchs gesorgt. Über Bernds Sohn Philipp, der Torjäger bei den Sodener D-Junioren ist, sagen sie einstimmig: "Das ist ein echter Dissler." Dieters Sohn Manuel ist bei den TSV E-Junioren aktiv, laut seinem Vater aber in Sachen Fußball noch ein "kleiner Spätzünder".
Das beide, trotz einer Angebote von höherklassigen Mannschaften, seit 18 Jahren ihrem TSV Soden treu geblieben sind, begründen sie vor allem mit der tollen Kameradschaft, die beim TSV herrscht. Für die kommende Spielzeit haben sich die Zwillinge ein gemeinsames Ziel gesetzt: "Wir wollen junge Spieler an die erste Mannschaft heranführen, und wenn es geht, den einen oder anderen Favoriten ärgern." -
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Die Katze vom Schönbusch
(erschienen in der Main-Echo Sonderbeilage "Anpfiff" 2006)
Seit 27 Jahren steht die Torhüterin Renate Wittmann bei den Kickers Aschaffenburg zwischen den Pfosten. -
"Die Katze vom Schönbusch" oder "Cheffe" wird sie genannt. Die Rede ist von der 43-jährigen Renate Wittmann, die seit 27 Jahren als aktive Torhüterin zwischen den Pfosten steht und derzeit den Kasten der ersten Frauenmannschaft von Kickers Aschaffenburg in der Bezirksoberliga Unterfranken hütet.
Bereits im Jahr 1979 kam die fußballverrückte Mainaschafferin bei den Frauen von Vorwärts Kleinostheim zum Spiel mit dem runden Leder. "Die bisherige Torhüterin wurde schwanger, daher suchten die Verantwortlichen einen Ersatz", berichtet Wittmann. Bevor sie das Fußball spielen begann, war Renate Wittmann beim SSKC Poseidon Aschaffenburg als Schwimmerin aktiv. "Mir hat der Fußball als Mannschaftssport einfach gut gefallen", begründet sie ihren Wechsel vom kühlen Nass auf den Sportplatz.
Die Kickers-Torhüterin Renate Wittmann in Aktion
Zum damaligen Zeitpunkt gab es im Umkreis von Aschaffenburg noch wesentlich mehr Frauenteams, als momentan. Unter anderem jagten Fußballerinnen in Hörstein, Damm, Goldbach bei den Bayern bzw. Viktoria Aschaffenburg dem Ball nach. "Kleinostheim war damals aber der führende Verein, und wir fuhren auch einige Kreis- und Bezirksmeisterschaften ein. "Trotz der Erfolge wurden wir als Fußballerinnnen zumeist belächelt, auch die Zuschauerresonanz war nur sehr spärlich", berichtet die Keeperin weiter. Da die Kleinostheimer keine Jugendarbeit im Mädchenbereich betrieben, überalterte irgendwann der Kader, und die einzige Möglichkeit den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, zeichnete sich mit einer Spielgemeinschaft ab. Just zu diesem Zeitpunkt, genau am 24. Januar 1989, meldete Kickers Aschaffenburg eine Frauenmannschaft zum Spielbetrieb beim Bayerischen Fußball-Verband an.
"Die Kickers hatten für den Frauenfußball immer ein offenes Ohr. Er ist in der Zwischenzeit unser zweites Standbein geworden", beschreibt der Trainer der Frauenelf und dritte Vorsitzende der Kickers, Manfred Bild, die Stellung des weiblichen Geschlechts im Verein. Der Hintergrund für die neue Abteilung war allerdings, dass ein Großteil der Frauenmannschaft des SV Damm, aufgrund interner Querelen, eine neuen Verein suchte und eine Bleibe an der Darmstädter Landstraße fand. So gründete sich die Spielgemeinschaft Kickers Aschaffenburg/Vorwärts Kleinostheim und auch die Verbindung von Renate Wittmann zu den Kickers war geboren. Allerdings hielt die Spielgemeinschaft nur kurze Zeit, da die Elf um den Aufstieg in die Verbandsliga mitspielte, und Spielgemeinschaften damals noch nicht aufstiegsberechtigt waren. Die neue Frauenmannschaft von Kickers Aschaffenburg um die Stammkeeperin Renate Wittmann spielte von der Saison 1992/93 an, bis heute, in der Bezirksliga Unterfranken, die mittlerweile durch eine Neueinteilung in die Bezirksoberliga umbenannt wurde. Lediglich zweimal kam es zum Betriebsunfall "Abstieg in die A-Klasse", der jedoch jeweils im Folgejahr durch den direkten Wiederaufstieg ausgemerzt werden konnte.
Manfred Bilz, Trainer der Damenmannschaft von Kickers Aschaffenburg
Manni Bilz sieht die Stärke seiner Torfrau vor allem in ihren Reflexen: "Die Renate hat eine Super-Reaktion auf der Linie und immer den unbändigen Willen, zu siegen. Ihre einzige kleine Schwäche ist, dass sie manchmal im Spiel etwas lauter sein könnte." Wie jeder Schlussmann hat auch Wittmann ihre persönliche Macke: "Ich trage zu jeder Jahres zeit, auch wenn Schnee und Eis liegt, immer kurze Hosen." Einen persönlichen sportlichen Höhepunkt erlebte Renate Wittmann am Bieberer Berg, der Heimspielstätte der Offenbacher Kickers: " Wir spielten damals mit damals mit der Frauenbezirksauswahl als Vorspiel der Zweitligabegegnung Kickers Offenbach gegen Blau-Weiß Berlin bei einer tollen Atmosphäre."
Dass der Frauenfußball in der Zwischenzeit eine gewaltige Entwicklung erlebt hat, kann Wittmann nur bestätigen: "Zu Beginn meiner Karriere spielten wir nur Hauruckfußball, mittlerweile hat sich das Spielniveau in sämtlichen Bereichen deutlich gesteigert." Trotzdem hält sich das Zuschauerinteresse in Grenzen, durchschnittlich 30 bis 50 Interessierte besuchen die Spiele der Kickers-Mädels an der Darmstädter Landstraße.
Renate Wittmann
Nebem dem aktiven Spielgeschehen ist Renate Wittmann auch als Funktionärin bei dem zweitältesten Aschaffenburger Fußballverein aktiv. Seit 1995 gehört sie der Vorstandschaft an, zunächst für zwei Jahre als dritte Vorsitzende, ab 1997 bis heute durchgehend als zweite Vorsitzende. In Personalunion ist die 43-jährige zudem auch Jugendleiterin. Gerade auch die erfolgreiche Jugendarbeit im Mädchenbereich ist das Erfolgsgeheimnis der Städter. Die weibliche U 17 spielt bereits in der vierten Saison in der Bayernliga und stellt mit Julia Rohmann eine aktuelle Bayernauswahlspielerin. Auch die U 15 und U 13 haben bereits einige Titel eingefahren.
"Spielen will ich noch so lange, wie ich gebraucht werde, und es die Gesundheit mitmacht. Auch, wenn die jungen Mädels mich ab und zu schon Oma rufen", beschreibt Wittmann mit einem Augenzwinkern ihre persönlichen Ziele. Mittelfristig gesehen will sie mit den Kickers in die Landesliga aufsteigen und auch dort als "Katze vom Schönbusch" den Kasten der Kickers sauber halten. - Joerg Albert
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Als der Bremhof plötzlich drei Mannschaften hatte
(erschienen am 23. Juni 2007 im Main-Echo)
Die Geschichte des SV Bremhof
Es war einmal der SV Bremhof. Mit dieser Märcheneinleitung könnte man eine außergewöhnliche Fußballgeschichte beschreiben, die sich Anfang der sechziger Jahre in Großheubach abspielte, und zu guter Letzt auch ein gutes Ende nahm. Doch zunächst einmal zurück zum Beginn der Geschichte.
Vorbei mit der Ruhe
Im Jahr 1923 wurde in Großheubach der Verein für Rasensport, kurz VfR, gegründet, in welchem die Mitglieder dem runden Leder hinterher jagten. Neben den Fußballern hatte sich seit dem Jahr 1900 bereits der Turnverein Großheubach in der beschaulichen Ortschaft am Main etabliert, so dass das sportliche Angebot zur damaligen Zeit bestens abgedeckt war. Mit der Ruhe in Großheubach war es aber spätestens zur Weihnachtszeit 1958 vorbei, als es im Fußballverein zu Unstimmigkeiten zwischen dem damaligen Spielausschuß-Vorsitzenden Robert Wolf und einigen Mitgliedern bzw. Funktionären kam.
„Genau am 26. Dezember 1958 wurde die neue Fußballabteilung des TV Großheubach gegründet“, weiß der heute 70-jährige Manfred Kempf zu berichten, dessen Vater Eugen Kempf zum damaligen Zeitpunkt der Vorsitzende des TV Großheubach war. Die genauen Hintergründe der Unstimmigkeiten sind heute nicht mehr genau bekannt, jedoch zog Robert Wolf viele Spieler des A-Klassisten VfR – unter anderem Walter Kaspar, Otto Broßler (bekannt als „Schlenker-Otto“) und Adolf Rabis – mit zur neuen Fußballabteilung des TV, so dass die Kicker im Ort fortan gespalten waren.
„Es sind die Fetzen geflogen“
„Es gab in den Kneipen nur noch das eine Thema, hierbei sind auch verbal die Fetzen geflogen. Man könnte sogar sagen, es herrschte richtig Aufruhr im Ort“, erinnert sich der ehemalige Funktionär Ludwig Oettinger, momentan 73 Jahre alt, an die Gründung des zweiten Fußballvereins in Großheubach. Die Fußballer des TV begannen nun, von Anfang Januar an, sich für die neue Saison, die eigentlich im September hätte planmäßig starten sollen, zu rüsten, indem sie Freundschaftsspiele organisierten und versuchten, die Pläne für einen Sportplatz zu realisieren. Doch auch bei diesem Thema wurde in Großheubach mit allen Tricks gekämpft. „Da zum damaligen Zeitpunkt der Turnverein noch einige Äcker hatte, sollten diese mit Liegenschaften mit Sympathisanten des TV am Main getauscht werden, um einen Sportplatz zu errichten. Doch ein VfR-Mitglied bot den Besitzern viel Geld für die Äcker an, nur um den Bau des Fußballfeldes zu verhindern“, berichtete Ludwig Oettinger. Die Besitzer ließen sich aber nicht erweichen, so dass mit dem Bau eines Sportplatzes der Turner begonnen werden konnte.

Doch schon nach kurzer Zeit wurde der Tatendrang der Turner jäh gestoppt. Nach wenigen Freundschaftsspielen verbot der Bayerische Fußball-Verband den offiziell am Spielverband gemeldeten Teams, Vergleiche gegen die Fußballabteilung des TV Großheubach auszutragen, und kündigte an, Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung unter Strafe zu stellen. Als offizielle Begründung für diese einschneidende Maßnahme wurde angegeben, dass zwei Fußballvereine für eine Ortschaft von der Größe Großheubachs nicht zulässig seien. Außerdem wurde dem TV Großheubach mitgeteilt, dass er an der kommenden bayerischen Verbandsrunde 1959/1960 nicht teilnehmen kann.
Sie ließen sich nicht beirren
„Wir ließen uns aber trotzdem nicht ins Bockshorn jagen und bauten unseren Sportplatz bis zum September 1959 fertig. Obwohl uns der bayerische Verband solche Steine in den Weg legte, hatten wir nach wie vor eine große Euphorie und hielten umso fester zusammen“, so Manfred Kempf. Der VfR Großheubach bekleckerte sich dagegen in der Zwischenzeit nicht gerade mit Ruhm und stieg, nach dem Abgang der vielen Spieler zu TV, zum Ende der Saison 58/59 von der A-Klasse in die B-Klasse ab.
Nachdem der Sportplatz fertig gestellt war, standen die Turner vor dem Problem, dass man nun keine Gegner mehr in den heimischen bayerischen Gefilden hatte, um Spiele austragen zu können. Doch die findigen Verantwortlichen setzten ihre Hoffnung in das benachbarte hessische Gebiet, und durften für die beiden kommenden Runden in der hessischen B-Klasse Erbach außer Konkurrenz an den Start gehen. „Allerdings war die Motivation unserer Mannschaft, nach zwei Jahren außer Konkurrenz, auf dem Nullpunkt angelangt. Schließlich wollten wir auch endlich um Punkte und die Meisterschaft kämpfen, wie jeder andere Fußballverein auch“, beschreibt Manfred Kempf, der damals selbst das Trikot des TV Großheubach überstreifte, die Lage im Herbst 1960.
Die Idee mit dem Weiler
Doch wer dachte, dass die Turner an dieser Stelle aufgeben würden, hatte sich wiederum getäuscht. Nachdem der BFV keinerlei Einsicht zeigte, den TV Großheubach am Spielbetrieb in Bayern zuzulassen, kamen die pfiffigen Großheubacher auf eine sensationelle Idee, die heute noch einen Originalitätspreis verdienen würde. Kurz hinter der bayerisch-hessischen Grenzen, nahe Laudenbach, knapp 14 Kilometer von Großheubach entfernt, befindet sich der Weiler Bremhof. Bremhof ist ein Weiler von Vielbrunn, der aus mehreren Gehöften besteht. Zum damaligen Zeitpunkt wohnten maximal 30 Einwohner in der Mini-Ortschaft, bekannt war vor allem das gute Essen in der Gaststätte der Familie Stier. Und genau in dieser Gaststätte sollte auch die Gründungsversammlung des SV Bremhof stattfinden, dessen Geschäftsstelle und Spielort allerdings in Großheubach lag. Wirt Stier wurde zum zweiten Vorsitzenden des neuen Vereins gewählt. Somit war die wichtigste Voraussetzung für die offizielle Aufnahme in den Hessischen Fußball-Verband geschaffen, der SV Bremhof durfte fortan an der Verbandsrunde in der B-Klasse Erbach teilnehmen.
„Unterstützt wurden wir damals vor allem vom Bürgermeister der Gemeinde Lützel-Wiebelsbach, Fritz Walter, der zugleich auch stellvertretender Landrat des Odenwaldkreises war. Aufgrund seiner guten Kontakte zum Hessischen Fußball-Verband wurden wir so zum Spielbetrieb zugelassen“, erinnert sich Ludwig Oettinger. Eine Anekdote beschreibt auch ein Artikel des „Main-Echo“ aus dem Jahr 1960. Als der Antrag zur Teilnahme am Spielbetrieb des HFV in Frankfurt abgegeben wurde, schüttelte die Sekretärin ungläubig den Kopf: „Hier stellt der SV Bremhof Antrag auf Aufnahme von drei Mannschaften zur Verbandsrunde und ich weiß von einigen Urlaubsaufenthalten ganz genau, dass dort höchstens 30 Leute wohnen, von denen die Hälfte bestimmt noch nicht Fußball gespielt hat.“ Neben einer ersten und zweiten Mannschaft verfügten die Großheubacher mittlerweile auch über eine eigene A-Jugend, so dass gleich drei Teams in Hessen an den Start gingen.
Mit Kind und Kegel
So fuhr für die nächsten drei Spielzeiten jeden zweiten Sonntag eine Großheubacher Delegation in das benachbarte Gebiet, um sich dort mit den hessischen Fußballern zu messen. „Wir fuhren immer mit einem großen Bus mit beiden Aktiven-Mannschaften samt Kind und Kegel zu den Spielen“, berichtet Manfred Kempf. Die Gegner aus der näheren Umgebung hießen Zell, Bad König, Seckmauern und Vielbrunn. Allerdings mussten bis nach Reichelsheim für damalige Verhältnisse auch weite 70 Kilometer zurückgelegt werden. Die Erfolge stellten sich auch schnell ein, immerhin zwei Vizemeisterschaften konnten in drei Jahren errungen werden. Nach ständigen Bemühungen, in den Bayerischen Fußballverband aufgenommen zu werden, ließ sich der BFV um den erzkonservativen Präsidenten Hans Huber im Jahr 1963 endlich erweichen, die Fußballabteilung des TV Großheubach für die Saison 1963/64 zum offiziellen Spielbetrieb zuzulassen. Somit wurde die dreijährige Existenz des SV Bremhof wieder beendet und der TV Großheubach war endlich an seinem Ziel angekommen, als ganz normaler Fußballverein in Bayern spielen zu dürfen.
Das erste Derby vor 1000 Fans
Auch in der C-Klasse Miltenberg ließen die Erfolge nicht lange auf sich warten. Nach einem siebten und dritten Platz im Endklassement wurde in der Saison 1965/66 der erste Meistertitel und damit verbundene Aufstieg in die B-Klasse eingefahren. Dort sollte es in der Saison 66/67, sieben Jahre nach der Gründung des TV Großheubach, zum ersten Duell mit dem Ortsrivalen kommen. „Auf unseren Sportplatz am Main kamen zum ersten Derby 1000 Zuschauer. Die Fanblocks beider Teams waren hinter den Toren verteilt, zwischendrin standen die Neutralen“, schmunzelt Ludwig Oettinger, wenn er von dem ersten Derby erzählt. Mit 2:3 verloren die Turner knapp das erste Bruderduell und traten, nach einem Jahr in der B-Klasse, wieder den bitteren Gang in die C-Klasse an.

Und wie das wunderbare Märchen der Großheubacher Fußballer weiterging ? Nach vielen Jahren, in denen der VfR und der TV Großheubach ihr eigenes Süppchen kochten, entschloss man sich zum Wohle aller, zu fusionieren. Sowohl der VfR, als auch der TV kamen bis zum Jahre 1979 fußballerisch nicht über die B-Klasse hinaus, doch nach der Fusion zum TSV wurden zwei Aufstiege in Folge bis in die Bezirksliga gefeiert. „Es war zum damaligen Zeitpunkt zwar keine Liebesheirat, aber eine Vernunftehe“, resümiert Ludwig Oettinger nach vielen Jahren. Einig ist er sich mit Manfred Kempf auch über die Zeit des SV Bremhof: „Es war eine wunderbare Zeit, die wir nicht missen möchten. Den SV Bremhof zeichnete immer ein besonderer Zusammenhalt aus, an den wir uns auch heute noch gerne erinnern.“ Und so endete die Geschichte im Jahr 1979 für alle Großheubacher Fußballer mit einem Happy End.
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Fußballer im Namen des Herrn
Die Kicker von der DJK Brasselburg
(erschienen in der Main-Echo Sonderbeilage "Anpfiff" 2008)
Die Geschichte vom fußballverrückten Pfarrer Happ, des "schwarzen Panthers" und einiger Kuriositäten. -
Dass es den vielbesagten Fußballgott wohl wirklich gibt, und, dass er wohl auch ab und zu leibhaftig auf Erden aufkreuzt, lehrt uns die nachfolgende Geschichte der DJK Brasselburg. "Ich wurde im Jahr 1947 von meiner Mutter im Alter von drei Monaten in das damalige Kinderheim Haus Brasselburg in Stadtprozelten gegeben und wuchs dort zusammen mit 50 weiteren Kindern auf", erinnert sich das heute 61-jährige Aschaffenburger Fußballurgestein Wilhelm Ohmer. Unter der Fürsorge der Heimleiterin Klara Grasmann wuchs Ohmer dort auf, im Alter von neun Jahren trat dann der Pfarrer Elmar Happ in das Leben des kleinen Wilhelm, und sollte es nachhaltig verändern. -
Die erste Schülermannschaft der DJK Brasselburg im Jahr 1957
vorne von links nach rechts: Rudi Wolz, Bruno Störmer, Wilhelm Ohmer, Alfred Platz, Wendelin Fecher;
hinten von links nach rechts: Pfarrer Elmar Happ, Bruno Bachmann, Norbert Umscheid, Allo Hörst, Hermann Prokopf, Viktor Grünsteidel, Egon Neuhoff
"Er war einfach ein Fußballnarr und wollte unbedingt sein eigenes Team haben", beschreibt Ohmer den Gottesmann. So gründete Happ, der als Kuratus in Breitenbrunn fungierte, obwohl es schon in Stadtprozelten, Breitenbrunn und Faulbach Fußballvereine gab, frei nach dem Kinderheim, im Jahr 1957 die DJK Brasselburg. Neben einer Schüler-mannschaft rief Elmar Happ auch eine Aktivenelf ins Leben, wo er selbst als Keeper zwischen den Pfosten stand und so manchen Gegner mit seiner aggressiven Spielweise zur Verzweiflung brachte. Wilhelm Ohmer blickt zurück:" Er war auf dem Platz knallhart und ließ sich, obwohl er ein Pfarrer war, mit den Gegenspielern auf keinerlei Kompro-misse ein." Dass allerdings seine Ausdrucksweise auf dem Sportplatz einem Abgesandten Gottes wohl nicht immer ganz angemessen war, kam auch dem Bistum Würzburg zu Ohren. Nachdem sich einige Zuschauer bei den Kirchenoberen über Pfarrer Happ beschwert hatten, musste dieser, nach einer Sperre durch das Bistum, für drei Spiele aussetzen. Auch ansonsten arbeitete der Pfarrer mit allen Tricks. "Die Predigt wurde, vor allem Sonntags, sehr kurz gehalten, dass wir, mit der Jugendmannschaft, rechtzeitig zum Spiel auf dem Platz standen. Im streng katholischen Spessart waren die Gläubigen zunächst über den Fußballpfarrer sehr empört, nach einiger Zeit hatten sie sich aber daran gewöhnt", berichtet Wilhelm Ohmer weiter. -
Auch der sportliche Erfolg stellte sich bei den Brasselburgern schnell ein. Innerhalb weniger Jahre stieg die Elf von der damaligen C-Klasse bis in die Bezirksliga auf, und hielt sich dort für drei Spielzeiten von 1970/71 bis 1972/73. Die beste Platzierung wurde gleich im ersten Jahr der Ligazugehörigkeit mit dem achten Platz erreicht. Beim Sportgelände war zunächst jedoch die Kunst der Improvisation angesagt:" Wir mussten am Anfang die Bahngleise überqueren, um zu unseren Platz zu gelangen, der eigentlich nur eine einfache Wiese war. Als Sportheim diente lange Zeit eine einfache Bretterbude, die Pfarrer Happ irgendwo aufgetrieben hatte", schildert Ohmer die damalige Situation. -
Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Bezirksliga 1969/70 in Miltenberg zwischen der DJK Brasselburg und Elsava Elsenfeld; Im Tor steht Wilhelm Ohmer;
Im zarten Alter von 18 Jahren rückte auch der junge Nachwuchskeeper Wilhelm Ohmer in die besagte Aktivenmannschaft der DJK auf und machte sich dort als "schwarzer Panther" im gesamten Spessart einen Namen. "Ich war eine richtige Attraktion bei den Zuschauern und hatte viele Fans. Wegen meiner dunklen Hautfarbe habe ich eigentlich so gut wie keine Anfeindungen erlebt, weil ich als fairer und anerkannter Spieler bekannt war", so Ohmer weiter. Wegen seiner überragenden Leistungen verpflichtete ihn dann im Alter von 25 Jahren der Oberligist Viktoria Aschaffenburg, wo er in der Saison 73/74 seinen sportlichen Höhepunkt als Hessenligameister erreichte. Nach weiteren Stationen in Aschaffenburg und Darmstadt beendete Ohmer seine aktive Karriere im Alter von 34 Jahren bei den Kickers Aschaffenburg und ist seitdem als Schiedsrichter aktiv.
Wilhelm Ohmer als aktiver Landesliga-Schiedsrichter
Und wie ging es mit Pfarrer Happ und seinen göttlichen Kickern weiter ? Der studierte Theologe wurde nach Kleinwallstadt versetzt und hielt auch dort dem Fußballsport als Keeper der Alten Herren weiterhin die Treue. Nach insgesamt 24 Jahren als Priester der katholischen Kirche verließ er diese, heiratete, zeugte drei Kinder und unterrichtete fortan Religion am einem Gymnasium. Am 20. März 2008 verstarb Elmar Happ im Alter von 83 Jahren. Seine Brasselburger vereinigten sich im Jahr 1975 mit dem Ortsrivalen TSV zur DJK/TSV Stadtprozelten und spielen heute in der Fußball-Kreisliga Aschaffenburg.
Der "schwarze Panther" Wilhelm Ohmer hielt bis zum Lebensende des Pfarrers Happ regelmäßigen Kontakt zu ihm und ist auch heute noch ein großer Verehrer seines Entdeckers:" Er war für mich immer menschlich und sportlich ein Vorbild und wird in meinen Erinnerungen immer einen festen Platz haben." - Joerg Albert
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Der Traum von der Bayernliga
und ein Italiener namens Corrado Tennegi
Die Geschichte des legendären SC Kreuzwertheim und seines Mäzen Adalbert Schmitt
Der Name Corrado Tennegi ist den meisten einheimischen Fußballfans heutzutage sicher nicht mehr bekannt. Doch der ehemalige italienische Zweitligaprofi ist ein wichtiger Bestandteil der kurzen, aber sehr intensiven Geschichte der Fußballer des SC Kreuzwertheim, die sich zwischen 1967 und 1974 abgespielt hat, und auch heute noch einmalig sein dürfte.
Deutschland im Jahr 1967. Es ist das Jahr, in dem der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten in Berlin erschossen wird, Elvis Presley seine Frau Priscilla heiratet, in Vietnam der Krieg tobt, und an der Spitze der Hitparade „Penny Lane“ von den Beatles steht. Im badischen Wertheim verarbeitet die Firma Hartolit, an deren Spitze der Inhaber Adalbert Schmitt steht, Kunststoffe und beschäftigt rund 150 Mitarbeiter.
Auch Dieter Kirchner, damals 20 Jahre jung, ist bei Hartolit beschäftigt und ein begeisterter Fußballer: „Wir hatten eine Betriebsmannschaft, bis Schmitt auf die Idee kam, einen eigenen Verein, den SC Kreuzwertheim, zu gründen.“ Von Anfang an wollte Mäzen und Vorstand Schmitt mit seiner Mannschaft höherklassig spielen, wie Kirchner berichtet: „Sein großes Ziel war immer die Bayernliga, damals die dritthöchste Klasse in Deutschland.“ Für das Problem, dass der SC über keinen eigenen Sportplatz verfügte, wurde im zehn Kilometer entfernten Bettingen eine Lösung gefunden. Dort gab es zwar ein Fußballfeld, aber keinen Verein. Somit hatte der neu gegründete Verein eine Heimat gefunden, so dass die Schmitt-Elf in der Saison 1967/68 in der C-Klasse Marktheidenfeld an den Start ging.
Schnell stellte sich, auch unter der großzügigen finanziellen Hilfe des Mäzen, und einiger guter Spieler aus der Umgebung, der sportliche Erfolg ein. Nach 16 Spielen mit 30:2 Punkten war der erste Aufstieg in die B-Klasse perfekt. Schmitt verstärkte seine Elf weiter, und verpflichtete unter anderem mit Alfred Burkard (Kickers Würzburg) einen Bayernliga-Kicker. Auch die Hürde B-Klasse wurde in der Saison 68/69 als souveräner Meister locker genommen, so dass die Truppe von Adalbert Schmitt, im zweiten Jahr des Bestehens, bereits die zweite Meisterschaft feiern konnte. Auch außerhalb des Fußballplatzes wurde den SC-Kickern vom Mäzen so einiges geboten, wie sich Dieter Kirchner erinnert: „Wir fuhren zusammen in den Sommer- und Winterurlaub, auch Trainingslager vor wichtigen Spielen und die komplette Ausstattung waren eine Selbstverständlichkeit.“ Selbstredend, dass die kompletten Kosten von Schmitt getragen wurden.
Eine der unglaublichsten Geschichten lieferte Schmitt, der für immer wieder für neue Überraschungen gut war, mit der Verpflichtung von Corrado Tennegi ab. Die SC-Kicker hielten sich nach der gewonnenen C-Klassenmeisterschaft zum Saisonabschluss im italienischen Alassio auf und absolvierten ein Freundschaftsspiel gegen den einheimischen Viertligisten. Der Ex-Profi Tennegi, der bereits für Como und Hellas Verona in der zweiten Liga Italiens aktiv war, wohnte in Alassio und lief als Gastspieler auf. „Der Corrado war ein ausgezeichneter Techniker und ein perfekter Kopfballspieler“, beschreibt Kirchner die fußballerischen Eigenschaften Tennegis. „Nach dem Aufstieg in die A-Klasse hatte der Adalbert Schmitt dann die Flause im Kopf, dass er ihn unbedingt für Kreuzwertheim verpflichten wollte“, so Kirchner weiter. So wurde Tennegi, nachdem der bayerische Verband die Spielgenehmigung erteilt hatte, jedes Wochenende von Mailand nach Frankfurt eingeflogen, lief für den SC in der A-Klasse auf und flog anschließend wieder zurück nach Mailand. „Es kam auch vor, dass der Corrado in Düsseldorf landen und dort abgeholt werden musste, wenn in Frankfurt schlechtes Wetter war“, erinnert sich Kirchner. Tennegi, der, aufgrund der Bedenken seiner Familie, nach einiger Zeit auf den Zug als Fortbewegungsmittel umschwenkte, spielte immerhin über eine Saison für den SC Kreuzwertheim und trug sein entscheidendes Scherflein zum Erfolg des Sportclubs bei.

Corrado Tennegi
Die Erfolgsgeschichte der Kreuzwertheimer sollte mit dem Aufstieg in die A-Klasse jedoch noch lange nicht beendet sein. Mit sieben Punkten Vorsprung auf Frammersbach und Marktheidenfeld lief der SCK am Ende der Saison 69/70 souverän über die Ziellinie der A-Klasse ein und schaffte den Aufstieg in die Bezirksliga. Auch imposante Zuschauerzahlen wurden immer wieder erreicht, 2000 Besucher sahen das Derby in Frammersbach, 1000 Fußballfans fanden sich gegen Marktheidenfeld ein.
Ein weiterer Meilenstein des Adalbert Schmitt in dieser Zeit war der Bau des europaweit bekannten Edel-Restaurants „Schweizer Stuben“, direkt am Sportplatz in Bettingen. „Im Untergeschoss der Schweizer Stuben hatten wir unsere Umkleiden, direkt daneben ließ Schmitt das Vereinslokal Schober und einige Tennisplätze bauen“, berichtet Dieter Kirchner. Das Schmitt damals nicht bei allen Fußballbegeisterten im Umkreis gleichermaßen beliebt war, unterstreicht die Tatsache, dass er zu seinem Schutz sogar teilweise Bodyguards engagierte.
Trotz aller Annehmlichkeiten wurde der Durchmarsch des SC zunächst kurzzeitig gestoppt. Nach einem dritten Platz im ersten Bezirksligajahr hinter Hösbach und Karlburg folgte eine weitere Spielzeit in der unterfränkischen Eliteklasse. Im zweiten Jahr, unter der Leitung von Trainer Herbert Graf, war es dann soweit. Mit sechs Punkten Vorsprung vor Burgsinn war der Aufstieg in die Landesliga, fünf Jahre nach der Vereinsgründung, vollendet.
In der vierthöchsten Spielklasse warteten zwar so klangvolle Namen wie Bayern Hof, VfB Helmbrechts und Wacker Marktredwitz auf die Kreuzwertheimer. Trotzdem zeichnete sich ein Trend ab, den man sich heute auch kaum noch erklären kann. Während der SCK in der Bezirksliga einen Zuschauerschnitt von 750 hatte, kamen in der Landesliga durchschnittlich noch nicht einmal 350 Besucher. Genau dieser Umstand und die Tatsache, dass die Mannschaft und der Spielbetrieb mittlerweile 80000 bis 100000 Mark verschlangen, bedeutete, nach einem siebten und vierten Platz in der Landesliga, das Ende der unglaublichen Geschichte des SC Kreuzwertheim am Ende der Saison 1973/74.
Adalbert Schmitt, der am 19. Juni 2005 im Alter von 73 Jahren starb, bedauerte diesen Schritt zwar, sah aber keine Möglichkeit seine Fußballabteilung am Leben zu halten. Auch Dieter Kirchner, der von der C-Klasse bis in die Landesliga aktiv war, blickt mit Wehmut auf die kurze, aber intensive Ära des Sportclubs und seines Mäzen zurück: „Es war für mich die absolut schönste Zeit als Fußballer. Adalbert Schmitt war für mich immer ein großes Vorbild und ein großer Sportsmann.“ - Jörg Albert
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90 Minuten zwischen Himmel und Hölle
(erschienen in der Main-Echo Sonderbeilage "Anpfiff" 2009)
An jedem Wochenende müssen sie bei der schönsten Nebensache der Welt Gefühlsschwankungen von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt aushalten. Wenn die eigene Mannschaft verliert, dann werden sie für die Niederlagen verantwortlich gemacht und in Frage gestellt, wenn sie gewinnt, dann ist es die Normalität. Die Rede ist von den Fußballtrainern auf den einheimischen Amateursportplätzen. Unser Mitarbeiter Jörg Albert hat einen Trainer über einen gesamten Spieltag begleitet und über eine Pulsuhr die Herzbelastung in allen Phasen des Spiels aufzeichnen lassen.
Sonntag, 26. April 2009, 16:47 Uhr, Spessartstadion Elsenfeld. Soeben hat Schiedsrichter Hahn die Partie am 25. Spieltag in der Fußball Bezirksliga Unterfranken, Gruppe 1, zwischen Elsava Elsenfeld und dem TuS Röllbach abgepfiffen. Röllbach hat in der letzten Minute zum 3:3 ausgeglichen, Elsava-Trainer Rudolf Elbert, genannt Rudi, sitzt sichtlich mitgenommen auf der Trainerbank und kann den späten Treffer der Röllbacher noch nicht begreifen. Doch zunächst einmal zurück zum Beginn des Tages.
08:30 Uhr, Haibach, Morsbachweg 1. Im Hause Elbert klingelt der Wecker. Bei Hausherr und Familienvater Rudi ist nichts von der Leichtigkeit eines Sonntag Morgens zu spüren: „An einem Spieltag beginnt es bei mir schon gleich nach dem Aufstehen zu Kribbeln.“ Heute steht das Heimspiel gegen den TuS Röllbach auf dem Programm, beide Mannschaften brauchen dringend einen Sieg. Die letzte Chance, um noch in den Kampf um den Relegationsplatz eingreifen zu können. Nach dem Frühstück gönnt sich Elbert eine kurze Ruhephase vor dem Fernseher, Expertentalk im DSF. Zu Mittag essen kann der Fußballlehrer nichts mehr, zu sehr wirkt sich bereits die Anspannung auf den Magen aus.
12:18 Uhr, Abfahrt nach Elsenfeld. Die Anspannung steigt, je näher das Spessartstadion kommt. Die Gedanken fokussieren sich immer stärker auf das bevorstehende Spiel.
12:44 Uhr, Ankunft in Elsenfeld. Die zweite Mannschaft wärmt sich gerade für ihr Spiel gegen Soden auf. Elbert unterhält sich mit einigen Spielern und beobachtet die Reserve.
13:30 Uhr. Der Elsavatrainer legt sich die Pulsuhr an, leicht erhöhter Ruhepuls mit 82 Schlägen pro Minute. Bis zur Mannschaftssitzung steigt der Herzschlag sukzessive bis auf 95 an, auch die Gesichtszüge werden zusehends angespannter.
13:46 Uhr. Noch eine Stunde und vierzehn Minuten bis zum Spielbeginn. Elbert trifft sich mit seinen Spieler zur Teamsitzung im Besprechungszimmer. „Es wird heute nicht einfach, Röllbach ist im Spiel nach vorne sehr stark“, weißt der Trainer seine Elf auf die Stärken des Gegners hin und teilt die Aufgaben im Spiel zu. „Wir müssen die Grimm-Brüder und den Wolf aus dem Spiel nehmen. Andi, du spielst gegen den Marco Wolf. Der ist ein Knipser und hat einen guten linken Fuß. Sascha, du kümmerst dich um den Alexander Grimm. Marcel spielt gegen den Florian Grimm.“ Der Puls von Elbert steigt bis auf 112 Schläge pro Minute. „Und denkt daran, wir wollen denen zeigen, dass wir eine Supertruppe sind“, beschließt der Coach nach zwanzig Minuten die Besprechung.
14:55 Uhr. Während sich seine Mannschaft alleine aufgewärmt hat, beobachtet Elbert die zweite Halbzeit des Reservespiels. Auch die Anspannung hat sich wieder etwas beruhigt, der Puls pendelt sich zwischen 90 und 95 Schlägen pro Minute ein. Die Startformation trifft sich jetzt in der Kabine und wird zum letzten Mal von Elbert heiß gemacht. Keeper Kücük betritt als letzter die Kabine, bevor sich die Elf zum Kreis aufstellt. „Jungs, denkt an das Vorspiel. Die hauen wir weg“, brüllt der Trainer in die Runde und klatscht jeden einzelnen, vor dem Gang auf das Spielfeld, ab. Auch die Pulsuhr bestätigt Elberts Anspannung und zeichnet 108 Herzschläge auf.
15:01 Uhr: Das Spiel läuft. Elbert hat auf der Trainerbank Platz genommen, der Stress schlägt sich auch im Pulsschlag nieder. Bisheriger Spitzenwert: 120
15:10 Uhr: Jubel auf der Elsenfelder Bank. Manuel Rothenbach bringt die Elsava mit 1:0 in Führung. Die Röllbacher Fans, die sich hinter der Bank der Gastgeber platziert haben, sind sauer und wollen diskutieren. Angeblich soll der Ball vor dem Tor im Aus gewesen sein. Elbert weißt seine Auswechselspieler an, nicht auf die Zuschauer zu reagieren.
15:22 Uhr: Der Röllbacher Routinier und Goalgetter Marco Wolf haut einen Freistoß aus 20 Metern auf das Tor von Keeper Kücük und gleicht zum 1:1 aus. Elbert springt auf: „Auf geht’s Jungs, weitermachen.“ Der hohe Einsatz im Spiel überträgt sich auch auf den Coach, die meiste Zeit steht der ehemalige Zweitligaprofi, die erste Zigarette wird angezündet.
15:40 Uhr: Nachdem Oldie Retsch zunächst eine Riesenchance vergeben hat, locht Top-Torjäger Axel Klein kurz danach zur 2:1 Führung ein. Kurz vor der Halbzeit macht sich Zuversicht bei Elbert breit, trotzdem erreicht sein Herzschlag mit 118 einen Spitzenwert.
15:47 Uhr: Schiri Hahn bittet die Mannschaften zum Pausentee in die Kabine. Coach Elbert läßt kurz Ruhe einkehren, dann mahnt er seine Elf zur Vorsicht: „Jungs, ihr müsst nach der Pause gleich hellwach sein. Versucht euch im Abschluss besser zu konzentrieren, dann holen wir die drei Punkte heim.“ Das Herz kommt etwas zur Ruhe: unter 100 Schläge im Schnitt werden aufgezeichnet. Nachdem der Unparteiische die 22 Akteure wieder auf das Spielfeld gebeten hat, fragt ihn Elbert auf dem Weg über das Spielfeld: „Sag mal Sven, war das vorhin kein Elfmeter ?“ „Nein, wirklich nicht, Rudi“, lächelt Hahn. Man kennt sich halt.
16:17 Uhr: Es läuft gut für die Elsava. Harry Retsch hat mit einem Fernschuss auf 3:1 erhöht. Elbert steht jetzt nicht mehr so oft, die Anspannung in seinem Gesicht hat sich etwas gelöst.
16:26 Uhr: Trotz des 1:3 Rückstandes geben sich die Röllbacher nicht auf und setzen Elsenfeld massiv unter Druck. Dies macht sich auch im Pulsschlag von Elbert bemerkbar, die Werte steigen kontinuierlich an. Schließlich können die Gäste den Anschluss herstellen. Wolz verwandelt einen Elfmeter zum 2:3. Elbert ärgert sich und ist wütend. Pulswert: 122
16:46 Uhr: Die Hochstressphase für den Trainer ist erreicht. Röllbach drängt weiter auf den Ausgleich, Elsenfeld kommt ins Schwimmen. Zigarette Nummer zwei und drei sind mittlerweile aufgeraucht. Elbert ist stark angespannt, vergräbt seinen Kopf immer wieder in seinen Händen. Eine Minute vor dem Schlusspfiff kommt es, wie es kommen musste. Alexander Grimm gleicht, unter dem großem Jubel der TuS-Anhänger, für Röllbach aus, Elbert läuft einmal um die Trainerbank und kann seine Enttäuschung kaum verbergen: „Das gibt’s doch nicht.“ Schließlich läßt er sich auf der Bank nieder und wartet auf den Schlusspfiff. Der Puls erreicht Höchstwerte: 122 steht auf dem Display
17:00 Uhr: Das Spiel ist nun knapp 15 Minuten vorbei, Elbert sieht mitgenommen aus, kommt aber langsam wieder zur Ruhe. „Wenn du bis eine Minute vor Schluss mit 3:2 führst, dann musst du das einfach durchbringen“, ärgert er sich über die zwei vergebenen Punkte. Ob er den Ärger mit nach Hause zu seiner Familie nimmt ? „Nur manchmal, wenn es etwas Besonderes gegeben hat. Man muss nach dem Spiel auch abschalten können.“ Bis am nächsten Sonntag um 08:30 Uhr im Morsbachweg 1 wieder der Wecker klingelt.
Das sagt der Experte:
„Keine Werte, die mich schockiert haben“
Dr. Christian Klemm (43), Sportmediziner mit Praxis in Obernburg: „Man kann aus der Herzfrequenz von Rudi Elbert ableiten, dass er unter psychischer Anspannung geht, die sich auch bei entsprechenden Spielsituationen steigert, aber es sind keine Werte, die mich schockiert haben. Die normale Herzfrequenz bei einem gesunden Menschen liegt zwischen 60 bis 80 Pulsschlägen pro Minute, die maximale Belastung berechnet man anhand der Formel 220 minus Lebensalter, was bei Rudi Elbert einen Herzschlag von ca. 180 bedeuten würde. Daher befinden sich seine festgestellten Pulswerte alle noch im grünen Bereich, die Belastung, während dem Spiel, liegt bei ca. 70 Prozent der normalen Herzfrequenz.“
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Der gläserne Fußball-Profi
Matthias Imhof: Der ehemalige Viktorianer vertreibt Analysesysteme im Profifußball
Es ist Mittwoch, der 28. Oktober 2009, 19:00 Uhr. In der Münchener Allianz-Arena steht das Achtelfinale im DFB-Pokal zwischen dem TSV 1860 München und dem FC Schalke 04 auf dem Programm. Während sich viele Fans auf einen kurzweiligen Fußball-Abend im Fernsehen freuen, beginnt für die Angestellten der Firma Cairos die eigentliche Arbeit. Im zweiten Oberrang des Fußballtempels sind die Operator damit beschäftigt, die 22 Spieler, die sich auf dem Spielfeld befinden, zu initialisieren, wie es in der Fachsprache heißt. Genauer gesagt werden sämtliche Laufwege der Akteure, die von zwei fest ausgerichteten Kameras festgehalten werden, in einem speziellen Computerprogramm erfasst und anschließend ausgewertet. „Da es verboten ist, die Spieler mit einem GPS-Sender auszurüsten, mussten wir ein eigenes System entwickeln, um die Laufleistungen der einzelnen Spieler analysieren zu können“, erklärt der technische Direktor, Florian Höflinger. Neben den Laufwegen und -strecken der Profikicker können unter anderem auch die Geschwindigkeit und Anzahl der Sprints ausgewertet werden.
Arbeitsstation der Fa. IMPIRE in der Allianz-Arena
Auch weitere Statistiken wie den prozentualen Ballbesitz, gewonnene Zweikämpfe und Torchancen werden, allerdings durch weitere Mitarbeiter, gespeichert. „Einige Vereine der ersten und zweiten Bundesliga, wie auch Clubs im Ausland greifen auf die Informationen unserer Datenbank zurück und analysieren so die Leistungen ihrer Spieler“, berichtet Matthias Imhof. Der ehemalige Zweitligaspieler von Viktoria Aschaffenburg ist bei der Firma Impire, einer Tochtergesellschaft von Cairos, als Key Account Manager angestellt und für den Vertrieb der Analysesysteme zuständig ist. Neben dem Meister VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach zählt unter anderem auch der FC Bayern München zum Kundenkreis von Imhof. „Technisch wäre es sogar möglich, dass wir den Trainern in der Halbzeitpause Videos mit Spielszenen und auch die Daten ihrer Spieler aus dem ersten Durchgang in die Kabine liefern.
Allianz-Arena
Allerdings hat noch kein Trainer davon Gebrauch gemacht, seine Kicker in der Pause mit den Laufdaten zu konfrontieren“, so Matthias Imhof. Auf die Frage, welche interessanten Thesen sich aus den Laufanalysen ableiten lassen, antwortet der technische Direktor Höflinger spontan: „Entgegen der landläufigen Meinung, dass meistens diejenige Mannschaft das Spiel gewinnt, welche mehr läuft, kann ich nur sagen, dass eigentlich genau das Gegenteil der Fall ist. Dies ergibt sich dadurch, dass die Elf, die in Führung liegt, meistens das Spiel verwaltet und den Gegner laufen lässt.“ Dass die Leistungsauswertungen offenbar auch schon personelle Entscheidungen mit beeinflusst haben, leitet Höflinger aus der 0:1 Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Norwegen ab: „Es gab damals Spieler, die eine derart schlechte Statistik hatten, dass man sie seitdem nicht mehr im Kader der Nationalmannschaft gesehen hat.“ Das die Profifußballer zu gläsernen Spieler werden, kann auch Imhof nur bestätigen: „Die Verantwortlichen können durch die Auswertung nachvollziehen, wo sich jeder Spieler zu jeder Zeit genau befunden und welche Leistung er gebracht hat.“ So bleibt nur zu hoffen, dass die Spieler der Münchener Löwen bei der Niederlage gegen Schalke genug gelaufen sind.
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Die Millionentruppe aus dem Kahlgrund
(erschienen in der Main-Echo Sonderbeilage "Anpfiff" 2010)
Zwischen dem Bundesliga-Club TSG Hoffenheim und dem Alzenauer A-Klasse-Verein TSG Kälberau würde der gemeine Beobachter, außer der Namensbezeichnung, im Normalfall keine Gemeinsamkeiten feststellen. Das sich jedoch gegen Ende der achtiger und zu Beginn der neunziger Jahre eine Geschichte in Kälberau abgespielt hat, die durchaus Parallelen zum Dorfverein aus dem Kraichgau und dessen Mäzen Dietmar Hopp aufweist, dürfte auch heute noch vielen Fußballfans am Untermain bekannt sein.
Die Geschichte von der Millionentruppe aus dem Kahlgrund beginnt vor der Fußball-Saison 1987/88. „Wir spielten mit unserer Mannschaft in der C-Klasse und der Verein lag im Dornröschenschlaf“, schildert Roland Kleespieß, derzeit Fußball-Abteilungsleiter und langjähriger Funktionär in Kälberau, die damalige Situation in dem 1400 Seelen-Dorf. Mit dem gut situierten Spediteur Klaus Heeg sollte ein Mann die TSG aus ihrem Tiefschlaf reißen, der durchaus auch heute noch für Diskussionen auf den Sportplätzen sorgt. „Nachdem Albin Sticksel den Verein eine gefühlte Ewigkeit geführt hatte, waren mehrere Jahreshauptversammlungen nötig, um einen neuen Vorsitzenden zu finden. Als ich vorgeschlagen wurde, herrschte auf einmal Totenstille im Saal“, beschreibt Heeg die Situation kurz vor seiner Wahl zum neuen Hauptverantwortlichen der TSG Kälberau.

Fortan sollte es rapide aufwärts gehen mit dem Kickern aus dem Alzenauer Ortsteil. Mit der Verpflichtung des neuen Spielertrainers und ehemaligen Zweitligaspielers Norbert Winkler vom damaligen Oberligisten FSV Frankfurt gelang der erste Paukenschlag, der die Region aufhorchen lies. „Viele benachbarte Vereine waren neidisch auf uns. Dementsprechend sind wir natürlich auch angefeindet und unter der vorgehaltenen Hand als Millionentruppe betituliert worden“, erinnert sich Roland Kleespieß zurück. Nachdem mit Dieter Amberg (von Bayern Alzenau) ein weiterer überragender Neuzugang zur TSG geholt werden konnte, stand am Ende der Saison 1987/88 die Meisterschaft in der C-Klasse Alzenau und der Aufstieg in die B-Klasse.
Doch die B-Klasse war noch lange nicht das Ziel aller Träume für Klaus Heeg: „Mein persönlicher Wunsch war es, mit der TSG Kälberau in der Landesliga zu spielen.“ Mit namhaften Spielern wie Thomas Krämer, Antonio Abbruzesse und Frank Peter verstärkte Heeg die Mannschaft weiter, außerdem konnte mit Frank Kämmer einer der gefährlichsten Torjäger der Umgebung verpflichtet werden. So war es schließlich auch nicht überraschend, dass bereits nach der dritten Saison in der B-Klasse der Aufstieg in die A-Klasse, der heutigen Kreisliga, gefeiert werden konnte.
Aber auch außerhalb des grünen Rasens liessen es die Kahlgründer krachen. „In unserem Sportheim hat fast jeden Sonntag der Bär gesteppt. Es war der absolute Wahnsinn, welche Feste wir gefeiert haben. Selbst der Schlagersänger Peter Petrel ist bei einer Feier aufgetreten“, läßt Kleespieß die alten Zeiten Revue passieren. Alleine acht Tage dauerte die Party nach der B-Klassenmeisterschaft, die auf der Terrasse von Heeg mit einer Musikkapelle von statten ging. Einige Anekdoten kann auch Klaus Heeg zum Besten geben: “Wir sind damals mit der versammelten Mannschaft in die VIP-Lounge der vornehmen Tennisbar in Bad Homburg eingelaufen. Obwohl wir nur mit Trainingsanzügen bekleidet waren und die Bar links gemacht haben, sind wir nicht rausgeflogen, weil der Geschäftsführer ein guter Bekannter von mir war.“

Auch mit dem Aufstieg in die A-Klasse sollte der Höhenflug der TSG nicht beendet sein. Nach einer überragenden Saison 1991/1992 knallten erneut in Kälberau die Sektkorken. Die Elf von Norbert Winkler war zum ersten Mal in die Bezirksliga aufgestiegen und sollte sich auch dort schnell etablieren. Nach zwei neunten Plätzen in der Endabrechnung wurde mit dem fünften Platz in der Bezirksliga-Saison 1994/95 der bislang größte Erfolg in der Vereinsgeschichte erzielt. Doch der schnelle Aufstieg hatte laut Roland Kleespieß auch seine Schattenseiten: „Unser Mannschaft bestand fast nur noch aus auswärtigen Spielern, die überwiegend von Klaus Heeg finanziert wurden. Unsere einheimischen Akteure waren zu diesem Zeitpunkt entweder abgewandert oder spielten nur noch in der zweiten Mannschaft.“
Um ein vielfaches schneller wie der Aufstieg der TSG Kälberau ablief, erfolgte auch der sportliche Niedergang des Bezirksligisten. Nachdem die Spedition von Klaus Heeg in finanzielle Schieflage geriet und schließlich Konkurs anmelden musste, konnte auch die Millionentruppe der TSG Kälberau nicht mehr finanziert werden. Am Ende einer chaotischen Saison 1995/96 mussten schließlich der letzte Tabellenplatz in der Bezirksliga, viele abgewanderte Spieler und zerstrittene Funktionäre bilanziert werden. „Nach dem großen Crash blieb uns nur noch die Möglichkeit freiwillig in die C-Klasse abzusteigen und dort einen Neuanfang zu beginnen. Mit Kurt Pfaff und Gerold Kreis mussten wir am Anfang sogar Spieler einsetzen, die schon über 50 Jahre alt waren, weil wir keine Spieler mehr hatten“, schildert Roland Kleespieß die Zeit nach der Millionentruppe.
„Wir hatten aus sportlicher und gesellschaftlicher Sicht einige tolle Jahre, allerdings war die Aufmerksamheit nur von kurzer Dauer und der Erfolg stand auf keinem festen Fundament“, blickt Kleespieß zurück. Auch Klaus Heeg fasst die vergangenen Zeiten positiv zusammen: „Ich möchte keine Sekunde missen. Wir hatten über einige Jahre eine wunderschöne Gemeinschaft und haben gemeinsam viel erreicht. Ich kann von meiner Seite aus sagen, dass ich den Verein mit einer positiven Bilanz, gerade was das Vermögen der TSG betrifft, übergeben habe.“ Eine Angelegenheit liegt Heeg allerdings auch heute noch im Magen: „Ich bedauere, dass ein paar Mißverständnisse ungeklärt geblieben sind und ich kein Mitglied mehr bei der TSG bin. Mein Herz wird allerdings ein Leben lang an dem Verein hängen.“ - Jörg Albert
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Die goldenen Jahre des SV Erlenbach
(erschienen in der Main-Echo Sonderbeilage "Anpfiff" 2010)
Unglaublich hohe Zuschauerzahlen, zweimal nur knapp den Aufstieg in die damals dritthöchste deutsche Fußballklasse verpasst und eine wahnsinnig gute Stimmung auf und neben dem Sportplatz. Auch heute noch verbinden die Fans und Mitglieder des SV Erlenbach diese Erinnerungen mit den „goldenen Jahren“ am Ende der 70er Jahre in der Fußball Landesliga Nordbayern .
Schlagzeilen im Main-Echo wie „Wer nimmt wem die Zuschauer weg“, bezogen auf die Zuschauerzahlen des SVE und des hessischen Oberligisten Viktoria Aschaffenburg, waren damals an der Tagesordnung. Armin Alexander, damals selbst Mitglied der „goldenen Generation“ und heutiger Trainer der Erlenbacher, erinnert sich: „Beim SVE herrschte damals eine unglaubliche Aufbruchsstimmung, gerade auch, weil die Mannschaft fast nur aus Einheimischen bestand.“
Und in der außerordentlich guten Jugendarbeit, insbesondere in der A-Jugend 1975/76, lag auch der Schlüssel zum Erfolg. Der damalige Schriftführer Franz Howorka schwärmt auch heute noch: „So einen Jahrgang bekommt man nur alle einhundert Jahre mal. Diese Truppe, gespickt mit vielen überragenden Talenten, war die Basis für den Erfolg in den goldenen Jahren.“ Mit Thomas Kroth, der später sogar einmal das Nationaltrikot tragen sollte, und insgesamt 256 Bundesligaspiele mit Köln, Frankfurt, Hamburg und Dortmund bestritt, ging der wohl bekannteste SVE-Kicker hervor. Allerdings wechselte das damalige Talent bereits 1976 zu den A-Junioren der Offenbacher Kickers.
Doch zurück zum Beginn der Geschichte. Nachdem die beiden Erlenbacher Vereine „Eintracht“ und „Viktoria“ im Februar 1970 zum SV Erlenbach fusionierten, stiegen die Schwarz-Weißen in der Saison 1972/73 zunächst von der damaligen A-Klasse (heutige Kreisliga) in die Bezirksliga auf. Als nun in der Spielzeit 1975/76 der Abstieg drohte, schätzte sich der SVE glücklich, über eine bärenstarke A-Jugend zu verfügen, die sich in dieser Runde sowohl die unterfränkische Meisterschaft, als auch den Bayernpokal (5:4 gegen den TSV Moorenweis) sicherte. „Die A-Jugendspieler, die uns damals in der ersten Mannschaft ausgeholfen haben, hatten einen großen Anteil am Nichtabstieg“, berichtet der damalige Spielausschussvorsitzende Franz Reiter. Und nur ein Jahr später, am Ende der Saison 1976/77, durfte bereits der Aufstieg in die Landesliga, damals vierthöchste Spielklasse in Deutschland, gefeiert werden. „Wir wurden vor der Runde als Abstiegskandidat gehandelt, doch mit den sieben Spielern, die aus der A-Jugend aufgerückt waren, sind wir dann souverän Meister geworden“, so Reiter weiter. Alleine der 18-jährige Torjäger Norbert Kohl steuerte mit 38 von insgesamt 51 erzielten Treffern einen erklecklichen Anteil zu der Meisterschaft bei. 
Fans des SV Erlenbach 1979 gegen Neuses
Und auch die Begeisterung im Umfeld nahm zusehends zu. Erst recht, als nach der ersten erfolgreichen Saison in der Landesliga, die mit dem elften Platz beendet wurde, im zweiten Jahr zum Angriff auf die Spitze geblasen wurde. Mit den drei Neuzugängen Peter Thiel (zurück vom Zweitligisten Würzburg 04), Roland Monseler und Achim Reichel-Dittes (beide vom Bayernligisten Wacker München) wurde der Elf von Coach Siegfried Reichel-Dittes nochmals ein Schub verliehen.
Angeführt von Routinier und Kapitän Günther Thiel sorgte die junge Mannschaft, die ein Durchschnittsalter von rund 22 – 23 Jahren hatte, auf den nordbayerischen Fußballplätzen für Furore und lockten in 17 Heimspielen sagenhafte 11900 Zuschauer ins Erlenbacher Waldstadion. Mit einem Vorrunden-Zuschauerschnitt von 1050 Zuschauer verzeichnete das Waldstadion damals einen Zulauf, wie es sich heute mancher Regionaligist wünschen würde. „Mit Thiel, Monseler und Kohl war unsere Offensive das absolute Prunkstück. Die jugendliche Elf begeisterte die Zuschauer mit Toren und ihrer Unbekümmertheit“, blickt Reiter zurück. Die weiten Auswärtsfahrten (6400 Kilometer in einer Saison) wurden von engagierten SVE-Anhängern mit Privat-Pkw durchgeführt. Lediglich eine kurze Schwächephase zu Ostern war ausschlaggebend, dass Erlenbach, nach einem langen Kopf an Kopf Rennen, dem VfB Helmbrechts, 1979, den Vortritt zum Aufstieg in die Bayernliga überlassen musste.
Auch im dritten Landesligajahr riss die Erfolgwelle nicht ab, am Ende konnte erneut die Vizemeisterschaft gefeiert werden. Lediglich dem VfL Frohnlach, der zur damaligen Zeit mit einem Möbelfabrikanten einen großzügigen Sponsor hatte, mussten sich die SVE-Fohlen in der Endabrechnung geschlagen geben.
Auch nach den beiden erfolgreichsten Jahren in der Vereinsgeschichte konnte die Landesliga noch vier Jahre gehalten werden. In dieser Zeit fiel die „goldene Generation“, teils durch Vereinswechsel zu höherklassigen Vereinen, teils durch berufliche oder persönliche Gründe, nach und nach auseinander. Im verflixten siebenten Jahr musste die Erlenbacher 1984 wieder den Gang in die Bezirksliga antreten.
Armin Alexander fasst die „goldenen Jahre“ aus seiner Sicht zusammen: „Für mich persönlich wurde durch diese Zeit die Basis für meine spätere Laufbahn gelegt. Der frühe Erfolg hat bei mir einen Motivationsschub ausgelöst.“ Auch Howorka blickt mit Wehmut auf das Ende der siebziger Jahre zurück:“ Mir werden diese Zeiten ewig in Erinnerung bleiben. Selbst heute diskutieren wir im Sportheim noch über diese Mannschaft.“ -
Zuschauerzahlen des SV Erlenbach:
10.09.1977 Erlenbach – Bayreuth 0:1, 1200 Zuschauer
23.09.1978 Erlenbach – Coburg 1:2, 1200 Zuschauer
14.10.1978 Erlenbach – Selb 1:1, 1200 Zuschauer
23.02.1979 Frammersbach – Erlenbach 3:2, 2000 Zuschauer
01.12.1979 Erlenbach – Bayreuth 1:0, 1500 Zuschauer
05.04.1980 Frohnlach – Erlenbach 2:2, 2600 Zuschauer 
Beschreibung Mannschaftsbild Saison 1978/79:
vorne von links: Werner Hergert, Peter Thiel, Bernd Helfrich, Uli Koch, Christoph Reichel-Dittes, Roland Monseler, Norbert Kohl
hinten von links: Franz Reiter, Bernhard Kempf, Norbert Winkler, Andreas Reichel-Dittes, Armin Alexander, Christoph Knüttel, Michael Berninger, Christian Schimpf, Günther Thiel, Dieter Grimm, Heinz Stegmann, Trainer Siegfried Reichel-Dittes
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Wo die Sonne am höchsten steht...
(erschienen in der Main-Echo Sonderbeilage "Anpfiff" 2010)
Der FC Zenit Wörth 08 geht in seine erste Verbandsspielrunde – Multikulti statt Abkapselung - Erste Neuanmeldung im Fußballkreis Aschaffenburg seit über 20 Jahren
Ein Trend, der sich bereits seit einigen Jahren auch am bayerischen Untermain weiter fortsetzt, ist die Tatsache, dass sich immer mehr Fußballvereine zu Spielgemeinschaften zusammenschließen oder ihre Elf sogar komplett vom Spielbetrieb abmelden müssen. Nachdem im Laufe der letzten Zeit selbst viele Traditionsclubs keine eigene Mannschaft mehr in das regionale Rennen um den Auf- und Abstiegskampf schicken konnten, meldete sich mit dem FC Zenit Wörth 08 seit über 20 Jahren eine neue Mannschaft im Fußballkreis Aschaffenburg zur kommenden Verbandsspielrunde an. Die internationale Truppe ist neben dem alteingesessenen FSV Wörth und dem türkischen Verein TSK Wörth bereits der dritte Fußballclub in der 5000 Einwohner-Stadt und musste im Vorfeld einige Hürden überwinden, um überhaupt in der B-Klasse Aschaffenburg, Gruppe 5, mitspielen zu können. Unser Mitarbeiter Jörg Albert begleitete den FC Zenit in seiner Vorbereitungsphase und stellt den neuen Verein vor.
FC Zenit Wörth 08, Saison 2010/2011
Eines ist dem neutralen Beobachter sofort klar. Hier herrscht eine riesige Euphorie und Aufbruchsstimmung. „Wir freuen uns total auf unsere erste Saison in der regulären Verbandsspielrunde“, beschreibt der erste Vorsitzende des FC Zenit Wörth 08, Arthur Luther, seine Vorfreude auf die Fußball-Saison 2010/2011. Und nicht nur Luther ist die Begeisterung anzusehen. Auch sein Vorstandskollege Waldemar Kinstler, Trainer Jorge Lino Pincaro und der gesamte Kader würden lieber heute wie morgen mit dem ersten Punktspiel beginnen.
Doch bevor der internationale Verein am 15. August zum ersten Mal in der B-Klasse Aschaffenburg 5 gegen den SV Faulbach dem runden Leder hinterher jagen darf, galt es zunächst einige Schwierigkeiten zu bewältigen. „Unser großes Problem war es, dass wir ein geeignetes Sportgelände zwischen Aschaffenburg und Miltenberg finden mussten“, schildert Luther die ersten Gehversuche der Wörther. Da sich der neue Verein zu einem Großteil aus Spielern der ehemaligen Freizeitclubs Spartak Miltenberg, X-Boys Erlenbach und Russian Rockets Kleinheubach zusammen setzt, musste ein zentraler Anlaufpunkt am bayerischen Untermain gefunden werden. „Nach einer längeren Suche und einigen Verhandlungen sind wir uns schließlich mit der Stadt Wörth und unserem Partnerverein Türk Wörth einig geworden“, beschreibt der dritte Vorsitzende Waldemar Kinstler die multikulturelle Zusammenarbeit. So wird der stadteigene Platz sowohl dem TSK, als auch dem FC Zenit 08 zur Nutzung überlassen. Das Sportheim der Türken, samt Umkleidekabinen und Duschen, nutzt der neue Club künftig als Untermieter. Doch auch formaljuristische Steine mussten aus dem Weg geräumt werden. Da in der ersten Vereinssatzung noch die gemeinnützige Ausrichtung des Vereins fehlte, musste das Dossier dem Amtsgericht in einer verbesserten Version ein zweites Mal vorgelegt werden. Selbst die finanzielle Leistungsfähigkeit des neuen Vereins wurde genau unter die Lupe genommen. „Wir gehen auf keinen Fall ein Risiko ein und haben ein solides Konzept entwickelt, mit dem wir unseren Kosten decken können“, beschreibt Waldemar Kinstler die Planungen von Zenit.
Thomas Mustafaev zieht an seinem Gegenspieler vorbei
Entgegen der im Umkreis beheimateten Vereinsnamen wie Germania, Frankonia und Viktoria wirft der Vereinsname FC Zenit natürlich Fragen auf. „Im Russischen bedeutet Zenit: Dort, wo die Sonne am höchsten steht“, erklärt Kinstler. Namentlich angelehnt an den Traditionsverein Zenit St. Petersburg wollen sich die Wörther aber nicht von den einheimischen Vereinen abkapseln, sondern echte Integration vorleben. „Der größte Teil unserer Spieler sind sicherlich junge Russland-Deutsche, aber wir sehen uns als mulikulturellen Club, der für jedermann offen ist“, beschreibt Luther die Leitlinien des Vereins. Multikultureller Fußball, der übrigens auch als eines der Erfolgsrezepte der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika galt, dürfte für Zenit kein Problem sein. Neben einem portugiesischen Trainer finden sich deutsche, türkische, bulgarische und sogar ein kubanischer Kicker im Aufgebot der Newcomer. Auf die kritische Frage, inwiefern sich gelebte Integration mit der Neugründung eines eigenen Vereins vereinbaren läßt, hat Kinstler eine Erklärung: „Zum einen wollen wir keine Spieler von anderen Mannschaften abwerben. Wir sprechen vereinslose und ehemalige aktive Fußballer an und wollen ansonsten die Jungs von der Straße holen. Außerdem sehen wir uns nicht als einen russischen Verein, sondern als eine deutsche Mannschaft.“ Das die Zenit-Kicker wohl gerade in der ersten Zeit auch mit einigen Vorurteilen kämpfen müssen, ist Kinstler klar: „Wir wollen unsere Kritiker aber durch sportliches faires Auftreten und durch gesellschaftliche Aktionen, wie zum Beispiel der Teilnahme am Wörther Stadtfest und dem Organisieren von Turnieren positiv überzeugen.“
Auf dem Weg in ihre erste Saison: Die Männer vom FC Zenit
Überzeugen wollen die Zenit-Kicker auch in sportlicher Hinsicht und hoffen, die B-Klasse 5 in der kommenden Runde aufmischen zu können. Trainer Jorge Lino Pincaro warnt aber ausdrücklich vor allzu großen Erwartungen: „Die Jungs sind im Moment sehr euphorisch, daher muss ich immer wieder auf die Bremse treten. Es wird sehr schwer, um gegen die etablierten Vereine bestehen zu können. Auch wenn es sich zum größten Teil um die Reserveteams handelt.“ Das die Truppe von Pincaro bei entsprechenden Leistungen durchaus ein entsprechendes Fan-Potenzial im Hintergrund hat, wurde schon beim ersten Auftritt klar. Rund 50 Zuschauer wollten sich das Freundschaftsspiel gegen die SG Mossautal anschauen, weitere Fans hoffen Luther und Co. aus der gesamten näheren Umgebung anlocken zu können. „Speziell viele ältere russische Aussiedler haben sich, obwohl sie fußballinteressiert sind, hier noch keinem eingesessenen Verein angeschlossen. Daher haben sich viele gefreut, als sie gehört haben, dass wir eine neue Mannschaft gegründet haben“, beschreibt der der Vorsitzende die ersten Reaktionen auf die neu gegründete Fußballmannschaft. Auf die ersten Siege mussten die Zenit-Anhänger in der Vorbereitungsphase allerdings noch warten. Während man sich mit einer 1:3 Niederlage gegen Mossautal noch recht gut aus der Affäre zog, setzte es gegen den FC Bürgstadt II (2:6) und den FC Kleinwallstadt (1:9) zwei heftige Niederlagen.
Eugen Alberg beim Kopfballduell
Trotzdem formuliert man beim FC Zenit klare sportliche Ziele. „Mittelfristig gesehen wäre es toll, wenn wir es bis in die Kreisklasse schaffen würden. Außerdem wollen wir, sobald sich bei uns alles etwas eingespielt hat, mit dem Aufbau einer Jugendabteilung beginnen“, so Kinstler. Ein Vorhaben, das der Partnerverein Türk Wörth in 20 Jahren nicht realisieren konnte und unter anderem auch deshalb in der vergangenen Saison in personelle Probleme geriet. „Unser Vorhaben ist nicht nur auf kurze Dauer ausgelegt. Uns ist bewußt, wie wichtig die Jugendarbeit ist, um langfristig bestehen zu können“, weiß der dritte Vorsitzende um die Notwendigkeit der Nachwuchswerbung. Doch zunächst einmal steht die Vorfreude auf die neue Saison und die Hoffnung im Mittelpunkt, dass in der kommenden Runde die Sonne für den FC Zenit am höchsten steht. Jörg Albert
Weitere Infos zum FC Zenit Wörth 08 auch im Internet unter www.fczenit.de
Kader FC Zenit Wörth 08, Saison 2010/2011
Vorsitzender: Arthur Luther. - Saisonziel: um den Aufstieg mitspielen. - Meistertipp: SV Faulbach. - Spielkleidung: Blau-Weiß. - Erwarteter Zuschauerschnitt: 60. - Zugänge: Eugen Alberg, Juri Buss, Niko Keibel, Waldemar Kinstler, Edgar Schwägler (alle Eintracht Kleinheubach), Denis Buchholz, Roman Luther, Alex Schauermann, Dimitry Mitrohov (alle Miltenberger SV), Andreas Kiel, Vjaceslav Janke, Konstantin Suslow (alle FV Klingenberg), Arthur Luther, Andrej Nowik (beide TSV Amorbach), Jakob Gazembiler, Alex Gabriel (beide Tuspo Obernburg), Resat Telli, Valeri Zitzer (beide SV Rippberg), Michel Ballmann (FSV Wörth), Vadim Buchholz (Kickers Laudenbach), Andreas Wildjajew (TuS Leider), Christian Santos (CFC Hertha 06 Berlin), Steffen Weimer (TuS Röllfeld), Juri Sismencev, Angel Vasilev, Vaceslav Vogel, Waldemar Werse (alle vereinslos). - Kader: Tor: Juri Sismencev, Dimitry Mitrohov. - Abwehr: Eugen Alberg, Alex Gabriel, Vjaceslav Janke, Niko Keibel, Waldemar Kinstler, Andrej Nowik, Vaceslav Vogel, Andreas Wildjajew, Valeri Zitzer. - Mittelfeld: Jakob Gazembiler, Anatoli Gettinger, Arthur Luther, Christian Santos, Alex Schauermann, Konstantin Suslow, Resat Telli, Angel Vasilev. - Angriff: Michel Ballmann, Denis Buchholz, Vadim Buchholz, Juri Buss, Andreas Kiel, Roman Luther, Edgar Schwägler, Waldemar Werse, Steffen Weimer. -
3 Fragen an Jorge Lino Pincaro:
Herr Pincaro, wie kamen sie als neuer Trainer zum FC Zenit ?
Der Kontakt kam über meinen Schwiegersohn Arthur Luther, der erster Vorsitzender beim FC Zenit ist, zu Stande. Nachdem der Verein gegründet wurde, haben mich die Jungs angesprochen, ob ich Interesse hätte, die Mannschaft zu trainieren. Da mich die Aufgabe gereizt hat, habe ich zugesagt.
Wie sind ihre Eindrücke aus den ersten Trainingseinheiten ?
Die Spieler sind alle sehr motiviert und das Umfeld passt auch. Die Vorbereitung läuft bisher sehr gut und mein Ziel ist es, dass ich etwas positives in die neue Mannschaft einbringen kann.
Was trauen sie ihrer Mannschaft in dieser Saison zu ?
Nachdem viele der Meinung sind, dass wir aufsteigen werden, ist es meine Aufgabe, die Euphorie zu bremsen. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass es sehr schwer werden wird und wir für den Erfolg hart arbeiten müssen.
Jorge Lino Pincaro
Alter: 50
Beruf: Schlosser
Staatsangehörigkeit: portugiesisch
Familienstand: verheiratet, 3 Kinder
Wohnort: Kleinheubach
bisherige Vereine als Spieler: Oliveira do Bairro (3. portugiesische Liga)
bisherige Vereine als Trainer: Miltenberger SV (A- und B-Junioren), Eintracht Kleinheubach (2. Mannschaft und B-Junioren)
Das sagen die beiden anderen Wörther Vereine zum FC Zenit:
Fevzi Ecelioglu (44), 1. Vorsitzender Türk Wörth: „ Wir stehen Zenit positiv gegenüber, gerade auch weil sie ab sofort unsere unmittelbaren Nachbarn sind. Wir haben uns in der letzten Zeit des öfteren zusammen gesetzt und die Bedingungen für die Sportheimnutzung ausgehandelt bzw. die Trainingszeiten festgelegt. Von unserer Seite haben wir Zenit alle Möglichkeiten bereit gestellt und hoffen, dass sie einen guten Saisonstart haben. Eine Zusammenarbeit ist zunächst einmal nicht geplant, weil wir uns momentan selbst neu aufstellen müssen und mit uns beschäftigt sind. Mittelfristig kann ich mir aber schon vorstellen, dass wir, insbesondere im Jugendbereich, mit Zenit zusammen arbeiten.“
Marco Feyh (48), 2. Vorsitzender und Abteilungsleiter Fußball FSV Wörth: „Wir sehen den neuen Verein Zenit Wörth lediglich als sportliche Konkurrenz. Da wir bei den Juniorenmannschaften und auch bei den Aktiven personell gut besetzt sind, kommt derzeit eine Zusammenarbeit für uns nicht in Frage. Da viele Vereine in unserem Umkreis derzeit Probleme mit ihrer Personalsituation haben, stellt sich mir die Frage, ob es unbedingt notwendig war, einen neuen Verein zu gründen. Auch der Standort Wörth ist für mich nur teilweise nachvollziehbar, weil nach meinem Kenntnisstand ein Großteil der Zenit-Spieler aus anderen Gemeinden kommt.“
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Ein ganzer Monat voller Schweiß, Konzentration und Konkurrenzkampf
(erschienen in der Main-Echo Sonderbeilage "Anpfiff" 2011)
Vier Wochen mit den Haibacher Landesliga-Kickern in der Saisonvorbereitung
Wenn die Fans und Zuschauer der hiesigen Fußballvereine demnächst wieder auf die Amateur-Sportplätze pilgern, dann haben die Spieler bereits harte einige Wochen an Vorbereitung hinter sich. In den ersten Wochen der Saison werden Trainingslager bezogen, Konditon wird gebolzt und der Kampf um die Stammplätze ist voll entbrannt. Während die Kicker noch vor einigen Jahren im ersten Stadium der Verbandsrunde stupide ihre Runden um den Sportplatz liefen, wird in der modernen Trainingslehre viel Wert auf die Ganzkörperschulung, die taktisch-technisch Fortbildung und die Individualisierung der einzelnen Spieler gelegt. Doch wie sieht die Vorbereitung bei einem Landesligisten aus ? Unser Mitarbeiter Jörg Albert hat den SV Alemannia Haibach in der Vorbereitung begleitet und schildert seine Eindrücke.
Strömender Regen prasselt auf den Sportplatz an der Haibacher Kultur- und Sporthalle. Es ist beileibe kein Wetter, bei dem man sich gerne im Freien aufhält. Doch die zwanzig jungen Männer, die sich auf dem Grün verausgaben, scheint das Wetter überhaupt nicht zu interessieren. Es scheint sie auch nicht zu interessieren, dass ihre Trainingsklamotten mittlerweile völlig durchnässt sind. Unter den Akteuren geht es zwar freundschaftlich zu, aber auch die Trainingskiebitze merken, wie es auf dem Platz förmlich knistert. Der Konkurrenzkampf lebt. Jeder will sich dem Trainer von seiner besten Seite präsentieren, ein Platz in der ersten Elf ist das angestrebte Ziel. Plötzlich hallt ein lauter Schrei über den Platz: „Konzentriert euch !“ Der Schrei kommt aus dem Mund des Trainers des nordbayerischen Landesligisten Alemannia Haibach, Joachim Hufgard. Er überwacht die Übungen mit Argusaugen und fordert von seinen Kickern allerhöchste Konzentration bis zum Trainingsende. Auch dann noch, wenn der Körper eigentlich nicht mehr kann oder will. Doch das Konzept von Hufgard scheint aufzugehen, wie die Erfolge der letzten Saison beweisen. Bayerischer Hallenfußballmeister, Halbfinale im bayerischen Totopokal und lange Zeit in der Tabellenspitze der Landesliga Nord. Die Saison 2010/2011 war eine der erfolgreichsten in der Haibacher Vereinsgeschichte. Doch damit soll die Erfolgsstory noch lange nicht beendet sein. In der kommenden Spielzeit ist die Qualifikation für die neue Bayernliga Nord geplant.
Ist eine gelungene Vorbereitung das Erfolgsrezept für eine erfolgreiche Runde ? „In körperlicher Hinsicht wird sicher die Basis für die Saison gelegt. Wenn ein Spieler die Vorbereitung nicht mitmachen kann, dann ist er erst einmal hinten dran“, sagt Hufgard. Doch was kennzeichnet eine gute Vorbereitung ? Sind es viele Vorbereitungsspiele, intensives Konditionstraining oder ausführliche Besprechungen an der Taktiktafel ? „Wichtig ist, das jeder Spieler alle Einheiten mitmachen kann. Was man nach den ersten Wochen nicht erwarten darf, ist, dass sich die Mannschaft taktisch schon gefunden hat. Das wird erst nach einigen Verbandsspielen der Fall sein“, berichtet der Übungsleiter weiter. Das von den Haibacher Landesliga-Kickern, allesamt reine Amateure, gerade in den ersten Saisonwochen allerhand abverlangt wird, zeigt ein Blick in den Vorbereitungsplan. Zwölf Trainingseinheiten, fünf Tage Trainingslager in Österreich, drei Freundschaftsspiele, zwei Turniere und dazu noch ein Toto-Pokal-Qualifikationsspiel. Und das alles innerhalb von einem Monat. Doch der Zeitplan drängt. Nach dem letzten Verbandsspiel der Saison 2010/2011 am 28. Mai gegen Bayern Kitzingen hatten die Alemannen nur knapp vier Wochen fußballfrei. Und vom Trainingsstart am 24. Juni bis zur ersten Begegnung gegen den TSV Aubstadt am 24. Juli blieb auch nur genau ein Monat Zeit, um die Spieler in Form zu bringen und die Mannschaft zu einer Einheit zu formen.
Stichwort Einheit. Spätestens seit der Weltmeisterschaft 2006 und Bundestrainer Jürgen Klinsmann haben die Wörter Einheit und Teambuilding auch in Fußballerkreisen Einzug gehalten. Und auch in Haibach galt es eine neue Einheit zu formen. Angesichts von sechs Abgängen und sieben Neuzugängen musste eine neue Hackordnung gefunden und neue Spieler mussten in die Mannschaft integriert werden. Speziell im Trainingslager (siehe auch Stichwort) wurde der Teamgeist gefördert und der Gemeinschaftssinn in den Mittelpunkt gestellt, wie Hufgard bestätigt: „Unsere neuen Spieler mussten zum Beispiel einen Gemeinschaftsabend organisieren und haben eine atemberaubende Modenschau vorgeführt.“ Was hingegen den sportlichen Nutzen angeht, sieht der erfahrene Coach ein Trainingslager nicht unbedingt als Allheilmittel: „Der Körper von Amateursportlern ist eine derartige Anhäufung von Trainingseinheiten eigentlich nicht gewohnt. Daher darf man den Trainingseffekt nicht überbewerten.“ Das Überheblichkeit und Starallüren beim Landesligisten völlig fehl am Platz sind, betont auch der sportliche Leiter der Haibacher, Torsten Redeker: „Das würde bei uns nicht funktionieren. Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir mannschaftlich geschlossen auftreten.“ Was hat sich in den letzten Jahren bei der Trainingsgestaltung verändert ? Endlose Läufe um den Platz und sinnvolles Konditionsgebolze sind in Haibach schon lange passe´. Vielmehr steht die Arbeit mit dem Ball im Vordergrund. Egal ob der Schwerpunkt Fitness, Schnelligkeit oder Schnellkraft lautet. So gut wie jede Übung ist mit Ball- und Passübungen verbunden. Lediglich bei den Schnelligkeitsübungen ist das runde Leder nicht am Start. „Mit dem Ball am Fuß erreichen die Spieler ihre maximale Geschwindigkeit bei den Sprints nicht“, erläutert Hufgard, der die Alemannia bereits in der sechsten Saison betreut.
Während die Pulsuhr zur Überprüfung des individuellen Leistungsstandes jedes Einzelnen in regelmäßigen Abständen eingesetzt wird, sind Laktattests aus finanziellen Gründen nicht möglich. „Ich vertraue da ganz auf mein Auge und die Körpersprache der Spieler“, hat der 56-jährige Kriminalbeamte keine Bedenken, dass die Belastung für seine Kicker zu groß werden könnte. Auch die taktische Schulung und die Aneignung der Spielintelligenz nehmen immer größere Komplexe im Trainingsgeschehen ein. „Unsere Vorstellung ist es, dass die Defensivarbeit im Angriff beginnt und jeder Spieler gegen den Ball arbeitet“, schildert Redeker die Philosophie der Haibacher Mannschaftsverantwortlichen. Ob sich die Mühen der Vorbereitung letztendlich ausgezahlt haben, wird sich in einem Jahr zeigen, wenn am 19. Mai das letzte Saisonspiel bei der Spielvereinigung Bayreuth abgepfiffen wird. Danach wird es mindestens wieder einen Monat dauern, bis ein lauter Schrei über den Sportplatz an der Kultur- und Sporthalle hallt: „Konzentriert euch !“. - Jörg Albert
Hintergrund: Shuttle-Run-Test
Ein besonderes "Highlight" in der Saisonvorbereitung stellt für die Haibacher Landesliga-Fußballer der sogenannte Shuttle-Run Test dar. "Ich glaube, dass ihn die Spieler regelrecht hassen. Aber durch den Test läßt sich der konditionelle Leistungsstand jedes Einzelnen sehr gut darstellen und man sieht zu Beginn der Vorbereitung, ob der Spieler in der Saisonpause seine Hausaufgaben gemacht hat", beschreibt Trainer Joachim Hufgard die Vorteile der Übung. Doch wie funktioniert der Shuttle-Run Test ? Im Abstand von 20 Metern werden zwei Markierungen angebracht. Die Testteilnehmer laufen zu Beginn der Übung mit einer Geschwindigkeit von 8 km/h zwischen den Markierungen hin und her, pro Minute wird die Laufgeschwindigkeit um 0,5 km/h erhöht. Durch Tonsignale, die eine CD abspielt, werden die einzelnen Intervalle vorgegeben, in welchen die 20 Meter absolviert werden müssen. Das Wenden an den Markierungen soll so eng wie möglich geschehen, zudem sollen die Testteilnehmer in einer geraden Bahn laufen. Der Shuttle-Run Test endet, wenn ein Teilnehmer selbst aufgibt oder wenn der Spieler zweimal hintereinander beim Tonsignal die 20 Meter Linie nicht erreicht. Wie erfolgt die Bewertung ? Eine gelaufene Minute wird als eine Stufe gewertet, auch halbe Stufen (Minuten) können in das Gesamt-Ergebnis mit einfließen. "Ich führe die Übung jeweils zu Beginn und zum Ende der Vorbereitung durch, um zu sehen, wie der Stand des Spielers zu Beginn der Vorbereitung ist bzw. wie sich die Trainingseinheiten ausgewirkt haben", berichtet Hufgard. Als Konditionswunder stellte sich Sven Bolze heraus, der die Übung über 13 Minuten durchhielt. "Der Sven läuft wie ein Uhrwerk. Ich glaube, der würde jetzt noch laufen, wenn ich den Test nicht abgebrochen hätte", freute sich der Haibacher Coach über den Top-Zustand seines Mittelfeldspielers.
Hintergrund: Trainingslager in Lofer
Ein fester Bestandteil der Haibacher Saisonvorbereitung ist seit Jahren das traditionelle Trainingslager im österreichischen Lofer (Tirol). Am 29. Juni brachen vier Kleinbusse mit 16 Spielern, vier Mannschaftsverantwortlichen und dem Physiotherapeuten Thomas Müller in Richtung Österreich auf. Auch einiges an Material musste in die Alpenrepublik befördert werden. “Wir haben schon einen ganzen Bus benötigt, um Bälle, Hütchen, Hürden, Stangen, Medizinbälle und einiges mehr nach Österreich zu transportieren”, so Torsten Redeker. Bis zum 03. Juli bewohnte der Alemannen-Tross den Gasthof Bad Hochmoos, in der Regel wurden täglich drei Trainingseinheiten durchgeführt. “In Lofer haben wir zum einen die konditionelle Grundlage für die Saison gelegt. Außerdem ist die Mannschaft auch kameradschaftlich eng zusammen gerückt”, war Redeker mit dem Verlauf des Trainingslagers hoch zufrieden.
Trainings- und Ablaufplan des Haibacher Trainingslagers:
Mittwoch, 29. Juni
Anreise – Einchecken – Zimmerverteilung
Donnerstag, 30. Juni
08.30 Uhr: Frühstück
09.45 Uhr: Lauf zum Trainingsgelände
10.00 Uhr: 1. Training auf dem Trainingsplatz
12.30 Uhr: Mittagessen
15.45 Uhr: Lauf zum Trainingsgelände
16.00 Uhr: 2. Training
18.30 Uhr: Regenerationslauf zur Wassertretanlage
20.00 Uhr: Abendessen
21.00 Uhr: Tagesabschlußbesprechung
23.00 Uhr: Bettruhe
Freitag, 01. Juli
07.30 Uhr: Laufeinheit
08.30 Uhr: Frühstück
09.45 Uhr: Lauf zum Trainingsgelände
10.00 Uhr: 3.Training
12.30 Uhr: Mittagessen
15.45 Uhr: Lauf zum Trainingsgelände
16.00 Uhr: 4.Training
17.30 Uhr: Regeneration im Schwimmbad Lofer
20.00 Uhr: Abendessen
21.00 Uhr: Teamabend
23.00 Uhr: Bettruhe
Samstag, 02. Juli
07.30 Uhr: Laufeinheit
08.30 Uhr: Frühstück
09.45 Uhr: Lauf zum Trainingsgelände
10.00 Uhr: 5. Training
12.30 Uhr: Mittagessen
15.45 Uhr: Lauf zum Trainingsgelände
16.00 Uhr: 6. Training
18.00 Uhr: Regeneration im Hallenbad/Sauna Hotel
19.30Uhr: Abendessen
20:30 Uhr: Abfahrt zum gemeinsamen Abend beim Waldfest Lenzing
Sonntag, 03. Juli
09.00 Uhr: Frühstück
10.00 Uhr: Fahrt zum Trainingsgelände, anschließend 7. Training mit Regenerationslauf
12.00 Uhr: Mittagessen
13.00 Uhr: Heimfahrt
„Das wird eine ganz enge Kiste“
Mit dem ehemaligen Bayernliga-Keeper Horst Zahn steht der Alemannia seit vier Jahren ein qualifizierter Torwart-Trainer zur Verfügung. Unser Mitarbeiter Jörg Albert stellte Zahn drei Fragen zur Vorbereitung der Torsteher.
Herr Zahn, auf welche Trainingsinhalte wird bei den Torhütern besonderer Wert gelegt ?
Der Schwerpunkt ist ganz klar die körperliche Verfassung und die muskuläre Fitness. Daher trainieren wir speziell die Bereiche Kraft, Ausdauer und Technik. Zudem dient die Vorbereitung auch dazu, die neuen Keeper mit ihren Stärken und Schwächen kennenzulernen.
Der moderne Schlussmann ist mehr denn je in die Spieleröffnung und den Spielaufbau mit eingebunden. Werden diese Situationen speziell trainiert ?
In den Trainingsspielen wird verlangt, dass die Torhüter tief stehen und sich aktiv am Spielgeschehen beteiligen. Daher werden gewisse fußballerische Fähigkeiten voraus gesetzt. Außerdem erwarte ich, dass sie sich lautstark mit einbringen und die Abwehr, wenn notwendig, korrigieren.
Mit dem derzeit noch verletzten Patrick Emmel stehen mit Christos Patsiouras und Marcel Alt insgesamt drei Keeper zur Verfügung. Läßt sich nach den ersten Trainingseindrücken schon sagen, wer die Nase vorne haben wird ?
Das wird eine ganz enge Kiste. Wir müssen jetzt noch die weiteren Testspiele abwarten. Christos und Marcel sind momentan auf Augenhöhe. Wenn Patrick wieder fit ist, wird er sicher seinen Stammplatz aus der letzten Saison verteidigen wollen.
Steckbrief Horst Zahn
Alter: 44
Familienstand: verheiratet
Wohnort: Haibach
Beruf: selbstständiger Einzelhandelskaufmann
Position: Torwart-Trainer
bisherige Vereine: Alemannia Haibach, Eintracht Straßbessenbach
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Wie der „Sachsen-Didi“ zur Spielvereinigung Roßbach kam...
Linienrichter gehören zum Fußball wie das Salz in die Suppe. Doch während in den höherklassigen Ligen professionelle Schiedsrichter-Assistenten an der Seitenauslinie stehen, unterstützen ab der Kreisliga abwärts Freiwilllige von den jeweils beteiligten Vereinen die geprüften Unparteiischen. Unser Mitarbeiter Jörg Albert stellt drei ehrenamtliche Linienrichter vor, die ihren Job mit viel Herzblut seit Jahren ausüben und der hiesigen Fußballszene wohl bekannt sind.
Wer ist Dietmar Scholz ? Kaum jemand in Roßbach kennt den „Sachsen-Didi“ unter seinem richtigen Namen. An seinem Markenzeichen, einer Mütze mit dem Emblem vom Dynamo Dresden, ist der Ur-Sachse jedoch leicht zu erkennen. Doch wie kam der gebürtige Dresdener in das beschauliche Roßbach ? „Ich bin 1997 nach Gemünden gezogen und habe dort bei einer Zeitarbeitsfirma gearbeitet. Als ich auf Montage in Kleinwallstadt eingesetzt war, habe ich im Gasthaus „Grüner Baum“ in Roßbach gewohnt. Am Stammtisch lernte ich dann die Roßbacher Fußballer kennen und bin gleich sehr herzlich aufgenommen worden“, schildert der Lagerist seine ersten Kontakte mit der Spielvereinigung. Als bei einem Spiel ein Linienrichter gesucht wurde, bot sich Scholz freiwillig an und gab fortan die Fahne nicht mehr aus der Hand. „In den letzten 14 Jahren habe ich nur ganz selten eine Begegnung der Spielvereinigung verpasst“, berichtet der 50-jährige stolz. Während der „Sachsen-Didi“ in den ersten Monaten noch jeden Sonntag mit dem Zug von Gemünden nach Roßbach fuhr, fand er schließlich nach kurzer Zeit in dem Leidersbacher Ortsteil eine neue Bleibe bei „Traudls Vesperstube“. „Die Traudl ist wie eine zweite Mutter für mich . Insbesondere möchte ich mich aber bei Peter Pawlik bedanken, der mich anfangs aufgenommen und umsorgt hat“, ist Scholz auch heute noch für die Gastfreundschaft in Roßbach dankbar. Am Ende der vergangenen Runde hatte „Didi“ gleich doppelten Grund zum Feiern. Neben dem Aufstieg seiner Roßbacher in die Kreisklasse gelang auch Dynamo Dresden der Sprung in die zweite Liga. Das er sich bei den Grün-Weissen pudelwohl und voll akzeptiert fühlt, kann der „Sachsen-Didi“ nur bestätigen: „Die Spielvereinigung ist für mich wie eine zweite Familie. Ich möchte hier nie mehr weg.“
Auch beim Kreisligisten DJK/TSV Stadtprozelten winkt mit dem Sommerauer Timo Völker ein echtes Original die Fahne. Wie der „Sachsen-Didi“ kam auch Völker über seine Arbeitsstelle zu seinem Verein. „Ein Kollege hat mich vor rund fünf Jahren nach Stadtprozelten mitgenommen und es hat mir sofort sehr gut gefallen“, schildert Völker seine ersten Kontakte mit dem Fußballclub aus dem Südspessart. Schon nach kurzer Zeit erkannte man in Stadtprozelten, dass der 31-jährige auch als Linienrichter taugt. „Am Anfang bin ich nur als Fan mitgefahren. Als dann der bisherige Linienrichter keine Zeit mehr hatte, wurde ich von Vereinsseite gefragt, ob ich den Job übernehmen möchte“, berichtet Völker. Und er tat es. In der kommenden Runde steht Völker schon in seiner vierten Saison in Folge an der Linie und ist mit viel Engagement bei der Sache. „Mir macht das Winken vor allem viel Spaß, weil ich näher beim Spiel dabei bin und so meinen Verein unterstützen kann“, erläutert der Lagerist die Beweggründe für sein Hobby. Die Frage, ob er sich besonders auf seine Aufgabe vorbereitet, verneint Timo Völker: „Normalerweise schaue ich bei der zweiten Mannschaft zu, dann nehme ich die Fahne in die Hand und es geht los.“ Anfeindungen oder gar Beschimpfungen von gegnerischen Fans musste der Bayern-Fan nur einmal über sich ergehen lassen. „In Pflaumheim habe ich einmal einen Fehler gemacht und einen Ball aus angezeigt, obwohl er es nicht war. Aber auch ich bin nur ein Mensch und mache Fehler“, räumt Völker ehrlich ein. Für die kommende Spielzeit hofft er, dass Stadtprozelten vielleicht sogar den Wiederaufstieg in die Bezirksliga packen kann: „Die Mannschaft hat eine starke Vorbereitung gezeigt und kann meiner Meinung nach ganz vorne mitspielen.“ Das dann in der Bezirksliga sein Linienrichter-Job wieder von einem amtlichen Schiedsrichter-Assistenten übernommen werden würde, stellt Völker hinter den Erfolg des Vereins: „Wenn wir aufsteigen würden, dann wäre mir das egal.“
Einige Aufstiege konnte dagegen der dritte Linienrichter im Bunde, Frank Kroth, schon feiern. Frank Kroth ? Auch dieser Name wirft bei den meisten einheimischen Fußball-Kennern ein großes Fragezeichen auf. Vielen Experten ist nur der Spitzname von Kroth, Niebauer, ein geläufiger Begriff. Schon im zarten Alter von 15 Jahren begann Kroth seine Laufbahn als Linienrichter, damals noch bei den Zebras der Spielvereinigung Niedernberg. „Ich habe in der B-Jugend mit dem aktiven Spielen aufgehört. Allerdings wollte ich irgendwie noch beim Fußball dabei sein und wurde dadurch zum Linienrichter“, erklärt der Frührentner seine ersten Gehversuche als Mann mit der Fahne. Nach vier Jahren in Niedernberg legte der 47-jährige erst einmal eine rund fünfjährige Pause ein, bevor er 1989 als Linienrichter zum SV Erlenbach kam. Die Saison 1989/1990 bezeichnet der „Niebauer“ als den bisherigen Höhepunkt seiner Laufbahn: „Erlenbach wurde in der Bezirksliga Meister, die Bayern holten sich die deutsche Meisterschaft und die Nationalmannschaft wurde in Italien Weltmeister.“ Nach acht Jahren beim SVE, in denen Kroth insgesamt sieben Meisterschaften mit Senioren- und Jugend-Mannschaften erlebte, wechselte er nach persönlichen Differenzen zum TSV Seckmauern. In Hessen verbrachte Kroth wiederum sechs Spielzeiten, bevor er zur Elsava Elsenfeld wechselte. „Fußball ist mein Lebensinhalt. Ich habe durch meine Tätigkeit sehr viele Menschen kennen gelernt und einiges an Erfahrungen gesammelt“, so Kroth. Aufgrund von gesundheitlichen Problemen hat sich der „Niebauer“ derzeit von seinem Amt zurück gezogen. Sobald es sein Gesundheitszustand wieder zuläßt, möchte er aber wieder mit der Fahne in der Hand an der Seitenauslinie stehen. Auch für den „Niebauer“ gilt das Gleiche wie für den „Sachsen-Didi“ oder Timo Völker: „Ich will durch mein Engagement als Linienrichter den Verein auf meine Art unterstützen.“ Gut, dass es sie gibt, diese Jungs mit der Fahne in der Hand. - Jörg Albert

Steckbrief Dietmar Scholz (Sachsen-Didi)
Alter: 50
Beruf: Lagerist
Familienstand: ledig
Wohnort: Roßbach
Verein: Spvgg Roßbach
Lieblingsverein: Dynamo Dresden, Spvgg Roßbach
Saisonziel: Klassenerhalt
Steckbrief Timo Völker:
Alter: 31
Beruf: Lagerist
Familienstand: ledig
Wohnort: Sommerau
Verein: DJK/TSV Stadtprozelten
Lieblingsverein: Bayern München, DJK/TSV Stadtprozelten
Saisonziel: vorne mitspielen
Steckbrief Frank Kroth (Niebauer):
Alter: 47
Beruf: Rentner
Familienstand: ledig
Wohnort: Erlenbach
Verein: Elsava Elsenfeld
Lieblingsverein: Bayern München, Elsava Elsenfeld
Saisonziel: vorne mitspielen